Mittagsvorlesungen

Mittwoch, 24.10.2007, 13:00 - 14:00 Uhr, Saal 3
Erich-Lexer-Vorlesung
Kuner E. (Umkirch)

Gedächtnisvorlesung zum 140. Geburtstag und 70. Todestag
Erich Lexer 1867 – 1937

Eugen Kuner erhielt seine prägende Ausbildung bei Professor Dr. Martin Allgöwer am Kantonsspital in Chur und danach bei Professor Dr. Hermann Krauß in Freiburg. 1969 berief ihn die Freiburger Fakultät auf die neu geschaffene Abteilung für Unfallchirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik. Er baute den Lehrstuhl bis zu seiner Emeritierung 1997 zu einer modernen Institution auf. Während seiner Präsidentschaft der DGU 1987 fand bereits eine "Erich-Lexer-Gedächtnisausstellung" in Berlin statt, um die sich ganz besonders Professor Günter Lob verdient gemacht hat.

Erich Lexer wurde am 22. Mai 1867 in Freiburg geboren, wuchs in Würzburg auf und studierte dort Medizin. Er wurde 1892 Assistent bei Ernst v. Bergmann in Berlin, wo er 1898 habilitierte. 1905 erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Chirurgie an der Albertus-Universität zu Königsberg. Von 1910 - 1919 hatte er das Ordinariat für Chirurgie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena inne, von 1919 - 1928 den chirurgischen Lehrstuhl an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und anschließend bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Chirurgie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Lexer gilt als der Begründer der Plastischen Chirurgie. Auf diesem Gebiet hat er wesentliche Operationstechniken für die Wiederherstellungschirurgie entwickelt. Seine Operationen waren eng mit ausgedehnten Forschungen über die Möglichkeiten der gestielten und freien Transplantation von Geweben (Fett, Haut, Knochen) verbunden. Erich Lexer starb am 4. Dezember 1937 in Berlin.


Donnerstag, 25.10.2007, 13:00 - 14:00 Uhr, Saal 3
Pauwels-Gedächtnisvorlesung
Tillmann B. (Kiel)

Die kausale Histogenese - eine zellbiologische Grundlage zum Verständnis der Pathogenese von Erkrankungen der Bewegungsorgane



Der Referent der diesjährigen Pauwels-Gedächtnisvorlesung, Professor Dr. med. Bernhard Tillmann, ist emeritierter Lehrstuhlinhaber für Anatomie und Entwicklungsgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er ist den meisten Kolleginnen und Kollegen der Orthopädie und Traumatologie durch seine Publikationen und Lehrbücher sowie durch seine Vortragstätigkeit und durch seine Operationskurse bekannt. Professor Tillmann ist korrespondierendes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie.

Er wurde für seine Arbeiten auf dem Gebiet der funktionellen Anatomie und Biomechanik der Bewegungsorgane von den Fachgesellschaften mit wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet. Als Schüler von Professor Dr. Benno Kummer ist Bernhard Tillmann "wissenschaftlicher Enkel" von Friedrich Pauwels.

Seine Vorlesung befasst sich mit der Pathogenese sog. spontaner Sehnenrupturen, mit einer biomechanischen und zellbiologischen Erklärung für das Auftreten von Schenkelhalsfrakturen sowie mit molekularbiologischen Aspekten der Osteoarthrose.


Freitag, 26.10.2007, 11:30 - 12:30 Uhr, Saal 7
Vorlesung
Nefiodow L. (Sankt Augustin)

Gesundheitsmarkt, die Wachstumslokomotive im 21. Jahrhundert

Prof. Nefiodow, Jahrgang 1939, ist einer der bekanntesten Vertreter der Theorie der langen Wellen und gilt als einer der angesehensten Vordenker der Informationsgesellschaft. Er war Berater des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, mehrerer Landesregierungen, internationaler Organisationen, privater Unternehmen und Mitglied der Arbeitsgruppe "Our Future Economy" des Club of Rome.

In seinem Vortrag zeigt er, wie in der Marktwirtschaft neben kurzen und mittleren Wirtschaftsschwankungen auch lange sog. Kondratieffzyklen mit einer Dauer von 40 - 60 Jahren auftreten. Auslöser sind bahnbrechende Erfindungen wie Dampfmaschine, Lokomotive, Auto und Computer. Der nächste lange Innovationsschub, der sechste Kondratieff, wird vom Bedarf nach ganzheitlicher Gesundheit, körperlich, psychisch, geistig, logistisch und sozial ausgelöst und getragen werden.


Freitag, 26.10.2007, 13:00 - 14:00 Uhr, Saal 3
Mittagsvorlesung
Raffelhüschen B. (Freiburg)

Gesundheitssystem und Demographie

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (geb. 1957) ist Professor für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er studierte in Kiel, Berlin und Aarhus (Dänemark) Volkswirtschaftslehre und promovierte und habilitierte sich in diesem Fach an der Universität Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Sozial- und Steuerpolitik, insbesondere der Alterssicherung. Neben seiner Mitwirkung an internationalen Forschungsprojekten beteiligt er sich - z.B. als Mitglied der Rürup-Kommission oder als Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft - an Fragen der praktischen Sozialpolitik.

Prof. Raffelhüschen hat ausgerechnet, dass die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung ohne tief greifende Reformen in dreißig Jahren rund zwei Drittel des Einkommens verschlingen. Der Wissenschaftler wendet die so genannte Generationenbilanzierung an, eine international bereits etablierte Form der volkswirtschaftlichen Rechnungslegung, die die Belastung künftiger Generationen berücksichtigt. Raffelhüschens Fazit: Die Sozialkassen sind eine tickende Zeitbombe, deren Risiken bei weitem unterschätzt werden: Insgesamt schlummern - statistisch unentdeckt - mehr als 4 Billionen Euro an Schuldenlast in diesen Kassen.

In seinem Vortrag "Gesundheitssystem und Demographie" zeigt Prof. Raffelhüschen unter Verwendung aktueller Daten auf, wie das Gesundheitssytem durch demographische Veränderungen ähnlich wie das Rentensystem nachhaltig beeinflusst wird und bietet konstruktive Lösungsansätze an.


Samstag, 27.10.2007, 11:30 - 12:30 Uhr, Saal 43
Vorlesung
Heydemann B. (Nieklitz)

Inspirationen aus der Bionik - Lernen aus den Innovationen der Natur

Prof. Heydemann ist ehemaliger Minister für Natur, Umwelt und Landesentwicklung von Schleswig-Holstein. Als Vorstandsvorsitzender der Nieklitzer Ökotechnologiestiftung (NICOL), längjähriger Gutachter als Sachverständiger des Bundesforschungsministeriums und Direktor des Zukunftszentrums Mensch - Natur - Technik - Wissenschaft (ZMTVW), Nieklitz - dem einzigen Sciencecenter für Bionik in Deutschland - wurde er u. a. mit dem Deutschen Umweltpreis 2005 ausgezeichnet und ist Preisträger im Bundeswettbewerb "Deutschland - Land der Ideen".

In seinem Vortrag zeigt er, dass in vielen Bereichen der Medizin der Mensch immer mehr auf allgemein-biologische Fortschritte zurückgreift. Auch Orthopäden und Unfallchirurgen orientieren sich bei Korrekturen und Reparaturen an den Stütz- und Bewegungsorganen nicht nur an der Humanverträglichkeit von Materialen, sondern auch an der Zweckmäßigkeit von Oberflächen. Es ist inspirierend zu sehen, wie Natur Oberflächen gestaltet, Strukturen ausformt und anpasst. Formen und Färbungen werden zur Funktion und auch zur ästhetischen Gestaltung mit einbezogen.

Prof. Heydemann wird seine besondere Sicht der Natur auch in einer bemerkenswerten Ausstellung "Inspirationen aus der Natur - ästhetisch gesehen" am Eingang "Kleiner Stern" präsentieren.


Samstag, 27.10.2007, 12:45 - 13:45 Uhr, Saal 4/5
Mittagsvorlesung
Hollmann W. (Köln)

Gehirn, Geist und körperliche Aktivität

Prof. Wildor Hollmann war als Internist langjähriger Lehrstuhlinhaber und Rektor an der Deutschen Sporthochschule Köln. Über Jahre hinweg war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin, der Deutschen Olympischen Gesellschaft und ärztlicher Betreuer vieler Nationalmannschaften. Für seine Arbeiten über den Einfluss von Arbeit und Training auf den gesunden und kranken Menschen wurde er mit einer Vielzahl von nationalen und internationalen Ehrungen, Preisen und Verdienstorden ausgezeichnet.

In seinem Vortrag "Gehirn, Geist und körperliche Aktivität" beleuchtet Prof. Hollmann die Zusammenhänge zwischen Mobilität und geistiger Aktivität. Jede muskuläre Bewegung ist mit regionalen Durchblutungs- und Stoffwechselveränderungen im Gehirn verbunden. Neue Erkenntnisse zeigen Zusammenhänge zwischen Motorik und geistiger Beanspruchung. Prof. Hollmann stellt Details dieser Forschungsentwicklung und des aktuellen Wissenstandes dar.